Pressestimmen  
   

1994 Opernwelt (Bajazzo)

Alljährlich kann man im August im sonst opernlosen Konstanz kammer-musikdramatische Ereignisse erleben. Im Renaissance-Rathaushof schwingt dann der ortsansässige Dirigent Peter Bauer den Stab, um Partituren aus archivarischer Vergessenheit zu befreien oder in neuem Klangkostüm vorzuführen. Mit dem Regisseur Mauro Guindani gelang in diesem Jahr eine Erneuerung von Leoncavallos Bajazzo, deren Aufführungen nicht nur ausverkauft, sondern auch höchst erfolgreich waren. ...Kammeroper ist in dieser erneuerten Version vielleicht eine Möglichkeit, sowohl historischen Klangspeck zu entfernen als auch staatsaufwendige Produktionen nicht als einzige Stillung des Opernhungers anzusehen. Die diesjährige Konstanzer Kammeroper hat einen Weg gezeigt, wie mit geringen, gleichwohl sponsorenbedürftigen Mitteln "große Oper" machbar wird. ...

1996 Frankfurter Allgemeine (Arianna)

Von Claudio Monteverdis zweiter Oper "Arianna" sind nur das berühmte Lamento erhalten geblieben. Alexander Goehr, der in Berlin geborene englische Messiaen-Schüler hat es 1994/95 gewagt, in acht Szenen die Oper noch einmal zu komponieren ... Bei der deutschen Erstaufführung im stimmungsvollen, stilistisch passenden Hof des Konstanzer Rathauses wurde die Musik vom akribischen Instrumentalensemble der "Kammeroper im Rathaushof" unter der gewissenhaften, energischen Leitung des Konstanzer Universitätsmusikdirektors Peter Bauer bis in feine Verästelungen ausbalanciert ...

1997 Thurgauer Volksfreund (Gelegenheit macht Diebe)

Spielerische und musikalische Leichtigkeit und Schönheit der Arien und der Musik, getaucht in Turbulenzen, Verwechslungen, Keckheit und Frechheit machen diese Oper aus, mit der Peter Bauer als musikalischer Leiter und Regisseur Mauro Guindani eine selten gespielte Kostbarkeit im Schaffen Rossinis für den Rathaushof in idealer Weise umgesetzt haben

1998 Südkurier (La tragédie de Carmen)

Immer wieder Bravo-Rufe und Beifall auf offener Szene. Das Publikum im Rathaushof war auch in der letzten Vorstellung regelrecht hingerissen von der Kammeroper 1998. Der Applaus galt allen - und er galt besonders Jorge Perdigon, dem Don José in Peter Brooks Carmen-Version. Was für ein Tenor! Stark, männlich und fest, weich und lyrisch, dramatisch, hart und grausam - der Spanier, der bisher vor allem mit den Partien des italienischen Repertoires von sich reden machte und in Konstanz vor einigen Jahren als Canio zu erleben war, ist mit einem gelungenen Streich tief in den französischen Opernkosmo vorgedrungen ...

2002 Bodensee Ferienzeitung (Pulcinella/Arlecchino)

... Der Hof des schmucken Konstanzer Rathauses stammt aus der Zeit Monteverdis und gilt als Exempel deutscher Renaissancearchitektur. Und genau hier wird seit 1983 Oper gemacht: Auf einem beachtlichen Niveau. Und mit beachtlichem Idealismus. Wenn die Konstanzer Rathausoper in diesem Jahr nun in ihre 20. Spielzeit stolziert, so blickt man gerne auch mal wieder zurück auf die Wirren und Widerstände der Vergangenheit. Denn nicht immer war es einfach für Peter Bauer, Urheber, künstlerischer Denker und Lenker des Projekts, sein genial erdachtes und gemachtes Kind zu sichern. Immer wieder stand er samt Förderverein vor Legitimationszwängen. Immer wieder wollten ihm die öffentlichen oder privaten Sponsoren den Geldhahn abdrehen oder ihn, wie 1992, gar zu einem Zwei- bis Dreijahresrhythmus überreden. Die Schlagzeilen damals redeten Tacheles. Das "Kulturwunder" Rathausoper bekam vom Kulturausschuss den "Todesstoss" und wurde von einem Wirtschaftsunternehmen, der Sparkasse in letzter Minute gerettet. Dabei ... ist die Rathausoper eine pieknobel polierte Perle, ein sommerlicher Höhepunkt des kulturellen Lebens am See.

2003 St. Galler Tagblatt (Don Giovanni)

In Venedig hatte sein Don Giovanni 1787 mehr Erfolg als jener Mozarts: Giuseppe Gazzanigas Sicht auf den Verführer Don Juan vermochte als Konstanzer Rathausoper weit über blossen Achtungserfolg hinaus zu überzeugen. ... Die Oper der Veronesen nimmt durch Individualität der Einfälle und eine mit leichter Hand gesetzte Dramatik für sich ein. Mit leichter Hand musizierte auch das Instrumentalensemble unter Peter Bauer ... angenehm quirlig ist Annette Wolfs Inszenierung. Augenzwinkernd spielt sie mit erotischen Leitmotiven wie Fesselung, Augenverbinden und Kleidertausch. Kein Stillstand bis zur effektsicher ausgemalten Höllenfahrt des Helden (Bühne und Kostüme: Dana Horvath-Schaller). ... In ihrer prickelnden Unbeschwertheit ist die Aufführung mehr als ein Mozart im Kleinformat.

2005 St. Galler Tagblatt (Der Barbier von Sevilla)

Orchester hier, Bühne dort: diese Trennung hat in der Inszenierung von Giovanni Paisiellos „Barbier von Sevilla“ keinen Platz,...denn Nada Kokotovic setzt in ihrer Inszenierung alles daran, Musik und Handlung zu verschmelzen. ... Das durchaus feinfühlige Orchester unter Peter Bauer ist intim an den Sängern dran, was viel Natürlichkeit in die Szene zaubert, den Klangkörper der bloßen Zulieferfunktion entledigt und der quirlig abwechslungsreichen, geistvoll gesetzten Musik ihren steten Wert garantiert. Wieder hat sich die Kammeroper ein hochrangiges Solistenensemble engagiert. Vor allem bei den Hauptrollen gab es kaum Qualitätsunterschiede. ...
Rossinis „Barbier“ kennt man zur Genüge. Paisiellos „Barbier“ aber, die Konkurrenz aus Konstanz ist eine Entdeckung: Das Schmunzeln über viel Gelungenes ist unablässig garantiert.

2007 St. Galler Tagblatt (L'Orfeo)

Nach derben, wetterfesten Naturburschen sehen die Schäfer im Gewand derkroatischen Ausstatterin Dana Horvath-Schaller nicht aus, eher nach Bohémiens der gepflegten Art, nach Dandys, die sich die müssige Zeit mit Sehen und Gesehenwerden, mit Flirts und amourösen Spielereien vertreiben. Mit der stimmungsvollen Ambiance des Innenhofs allein hat sich die Kammeroper vor allem in den letzten Jahren nicht mehr zufrieden gegeben, auch nicht mit bloß stilsicherem, solide einstudiertem Musizieren, für das von Anfang an Peter Bauer verantwortlich zeichnete. Es darf ästhetisch mehr als bieder sein. Kein Kunstdandy soll hier gähnen müssen; diejenigen auf der kleinen Bühne jedenfalls, raffiniert von Regisseurin Nada Kokotovic in Bewegung gehalten, scheinen schon genug Lustbarkeiten genossen zu haben. Sehr körperbetont geben die Sänger die alles andere als einfältige Entourage Orfeos ab, jeder Schritt, jede tänzerische Geste kommt, zum Tic heruntergekühlt, aus der Musik - ein Inszenierungsstil, den die Regisseurin auch mehrfach am Konstanzer Theater als mythische «Choreodramatik» zur Diskussion gestellt hat.

2008 Südkurier (Zaide)

Vogelgesang empfängt den Besucher im Konstanzer Rathaushof. Auf der Bühne sitzen die Protagonisten von Wolfgang Amadeus Mozarts Zaide in venezianischen Masken und zwitschern. Doch es sind keine bunten Paradiesvögel und ihr Käfig ist nur in übertragenem Sinne golden: Gleißend weiß präsentieren sich Kulisse (Mario Ferrara) und Kostüme (Dana Horvat-Schaller) zur Kammeroper 2008. Und ein lichtes Spiel auf der Bühne wie im Orchestergraben wird den Abend zu einem kurzweiligen und poetischen Erlebnis werden lassen.
Peter Bauer, künstlerischer Leiter und Dirigent der Kammeroper, hat ein Gespür für Raritäten des Repertoires. Mozarts Zaide ist da ein Glücksgriff: sie vereint die Zugkraft des großen Namens mit musikalischer Qualität und lässt als Fragment der Regie großen kreativen Spielraum. Tanja Weidner vom Berliner Ensemble nutzt ihn und fügt der Geschichte um die versklavten Europäer im Serail des Sultans eine lyrische Ebene hinzu, eine ästhetisch reizvolle Welt der Zauberworte mit Gedichten vom abendländischen Goethe bis zum morgenländischen Rumi, die das Geschehen reflektieren und gleichzeitig darüber hinausweisen. ...
Es siegt vor allem die Musik Mozarts, die mit einer solchen Leichtigkeit gespielt und gesungen wird, dass zumindest akustisch alle Ketten gesprengt werden. ... Man muss auf der Stuhlkante sitzen, um dieser Musik, gerade auch bei den einzigartigen melodramatischen Passagen zu Beginn der beiden Akte, gerecht zu werden – und Bauers Ensemble tut das auch in sehr präzisem Zusammenspiel mit dem homogenen Gesangsensemble auf der Bühne. ...

2009 Südkurier (Xerxes)

Geschlechtermäßig muss es im Barock ziemlich drunter und drüber gegangen sein. Zumindest, wenn man die Barockoper als Maßstab nimmt. ... all diese Liebeswirren, Verwechslungen und Missverständnisse, bis sich ganz am Schluss wie durch ein Wunder der Knoten und alles in Wohlgefallen auflöst. ... Annette Wolf hat den Stoff mit viel Gespür für die komödiantischen Seiten auf die Bühne gebracht und dabei eben auch die Handlung entwirrt. Auf der Bühne ist schließlich alles ganz schlüssig, stimmig und einfach. Das liegt daran, dass es Annette Wolf mit dem Sängerensemble so gut gelingt, die einzelnen Charaktere herauszuarbeiten. ...
Alles in allem ein unterhaltsamer Opernabend, der einmal mehr die Bedeutung der Rathausoper für das Konstanzer Kulturleben unterstreicht.

2010 Südkurier (Bettleroper)

Die pausenlose „Menschlichkeit“, die für die Nobelhöhen wie für die Prekariatstiefen gilt, ist das Thema der berühmten „Beggar’s Opera“, die den philosophischen Hauptsatz des englischen Denkers Thomas Hobbes auf die Bretter brachte: Der Mensch ist der Wolf des Menschen.
Aber Philosoph, Poltiker, Gauner und Dirnen haben die Rechnung ohne die Kunst gemacht. Der Bettler-Poet bringt „Begnadigung“ ins Spiel, Happy End statt Galgen, freie Doppelliebe statt rechtswidriger Bigamie, kurz: Oper statt Wirklichkeit. ...
Das alles kutschiert der große, keineswegs überladene, inszenatorisch von Nada Kokotovic ausbalancierte Thespiskarren lebendig in einen satirisch-moralischen Opernhimmel. Den zeigte schon das Bühnenbild: Keine Kaschemmenkulissen, sondern Baugerüst einer unfertigen Welt und Sozialgeschichte. Das sah man an den Kostümen, die nur Schwarz-Weiß zeigten wie das Stück samt seinem Milieu. Dazu gab es einen tönenden Kontrapunkt. Denn Brittens Fassung für kleines Opernorchester bring Klangfarben ins Spiel, frischt die alten Songs auf, lässt Händel-Marsch und Purcell-Sarabande durchklingen.
Peter Bauer, der Maestro der Rathausoper, bereitete die musikalischen Aktionen mit feinster Akribie und eleganter Mischung aus Polyphonem, Tänzerischem, romantischem Harfenschlag, koketten Flöten- und klagenden Oboentönen. Die Balladen, Couplets, Ensembles überzeugten durch rhythmische Treffsicherheit, klare Intonation und ein buntes Register an Kolorit und Ausdruck, das alles sichtbare Schwarz-Weiß mit hörbarem Musik-Regenbogen überwölbte.

2011 Thurgauer Zeitung (Die Nachtigall)

Die Kammeroper im historischen Rathaushof Konstanz setzt seit bald dreissig Jahren Zeichen dafür, was man abseits vom großen Opernbetrieb mit bescheidenem Budget, aber innerhalb der speziellen historischen Kulisse an gelungenen Opernkleinodien herbeizaubern kann. Gerade das Intime, das Sorgfältige ist es auch in diesem Jahr, was einem mit dem Gefühl aus einem Opernabend entlässt, etwas Zauberthaftes erlebt zu haben. ...
Mit Tanja Weidner geht eine junge Regisseurin an Strawinsky heran, die keine Angst vorm Märchenerzählen hat, die in ihrer Inszenierung zeigen zu wollen scheint, wie gerne wir uns Märchen erzählen lassen. Kleine, keck und genau gesetzte Regieeinfälle machen diesen Strawinsky zu einem feinen Genuss. ...
Martin Preisser

2011 Südkurier (Die Nachtigall)

... Peter Bauer, der Gründer, Leiter, Spiritus Rector der Konstanzer Rathausoper, hat die postromantische Üppigkeit ins Kammermusikalische übersetzt. ... Dabei geht Masse, aber nicht Klasse, keineswegs pointierter Strawinsky-Stil verloren. Die Oper – drei märchenhaft kontrastreiche Akte in 65 Minuten und etwa 10 Minuten Applaus – wird zum Kammerspiel, die Musik vom Öl- zum Aquarellbild umkoloriert, dabei zeichnen sich die thematischen Konturen fast schärfer und delikater als bei der originalen Vollbesetzung in den wechselvollen Klangbildern ab... – man könnte schwärmen von der zarten Buntheit der neuen Nachtigall.
Der Inszenierung von Tanja Weidner gelang es mit reicher Bildertheatralik nicht nur die Augenlust zu locken, sonden auch das Märchenproblem der „Nachtigall“ deutlich – und mit epischer Erzählpartie vor jedem Akt – zu überbringen. ...
Die Szenenkontraste belebten alle Aktion durch Raum-Vielfalt und Farben. ... Der erste und letzte Akt waren eher matt beleuchtet, dafür der zweite in Glanz und Glitzern bis in die Fahnenschals und Kostüme gesetzt: Kammerspiele rahmten einen berückenden Rest Grand Opéra ein. ...
Dr. H. Weidhase